KiTa Grashüpfer Holtenau e.V.
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Phonologisches Bewusstsein in Kita- und Vorschule

WIESO? WESHALB? WARUM?

Das Lesen- und Schreibenlernen ist ein hoch komplexer Vorgang, den Kinder in der ersten Klasse bewältigen müssen.

 

Während wir als Erwachsene bereits fertige Wortbilder im Kopf haben, müssen Erstklässler beim Lesenlernen für jeden Buchstaben den richtigen Laut finden und diese Laute in der richtigen Reihenfolge zusammensetzen. Beim Schreibenlernen müssen sie für jeden gesprochenen Laut den entsprechenden Buchstaben finden und mit entsprechendem feinmotorischen Können in der richtigen Reihenfolge zusammenfügen.

 

Kinder im Vorschulalter haben in der Regel eine gut verständliche Umgangssprache, verfügen über einen ausreichenden Wortschatz und verwenden eine weitgehend korrekte Grammatik. Die Kinder können meist problemlos mit ihrer Umgebung kommunizieren. Bei dieser alltäglichen Kommunikation konzentrieren sich die Kinder aber ausschließlich auf die Bedeutung und den Inhalt des Gesagten. Die andere Seite der Sprache – deren Form und Struktur – ist ihnen nicht immer bewusst. Vielen Vorschulkindern fällt es teilweise noch schwer, das, was sie sagen, in einzelne Wörter, Silben und Laute aufzuteilen. Später in der Schule sollen sie dann aber recht schnell lernen, dass diese Laute von bestimmten Zeichen – den Buchstaben – repräsentiert werden.

 

Die Ergebnisse zahlreicher psychologischer und pädagogischer Studien belegen, dass sprachliche (phonologische) Bewusstheit eine sehr wichtige Voraussetzung zum problemlosen Lesen- und Schreibenlernen ist und dass entsprechend geförderte Kinder im Vergleich zu nicht geförderten bis weit in die Grundschulzeit hinein von einem Trainingsprogramm profitieren.

 

„Hören, lauschen, lernen“ zielt dementsprechend genau auf die Förderung der sprachlichen Bewusstheit während der Vorschul- und Einschulungsphase.

Die Untersuchungen zur Entwicklung und Durchführung des Sprachprogramms haben gezeigt, dass es in der Arbeit mit diesen zielgerichteten Spielen wichtig ist, einige Regeln einzuhalten, damit die Kinder aus dem Programm den größtmöglichen Nutzen ziehen können:

 

  • Das Programm soll regelmäßig durchgeführt werden, das heißt, täglich 10 – 20 Minuten lang, wenn möglich zur gleichen Tageszeit.
  • Die Kinder sollen das Gefühl haben, zu spielen. Die Durchführung soll in gemütlicher, entspannter Atmosphäre erfolgen. Kein Kind darf eine Niederlage erleiden oder sich dumm vorkommen.
  • In kleinen Gruppen soll nach Möglichkeit auch individuell auf die Kinder eingegangen werden, um die einzelnen gezielt zu fördern. In großen Gruppen soll sich die Trainingsdurchführung immer an den schwächeren Kindern orientieren.

Das Würzburger Trainingsprogramm zur phonologischen Bewusstheit wurde in drei großangelegten Längsschnittstudien hinsichtlich seiner Effektivität überprüft und zwischen den Studien verändert.

 

Das Trainingsprogramm besteht aus Spielen und Übungen zu sechs verschiedenen Bereichen, die inhaltlich aufeinander aufbauen und das Ziel, verfolgen dem Kind einen Einblick in die Struktur der gesprochenen Sprache zu verschaffen.

Es beginnt mit Lauschspielen, die das Ziel haben, das Gehör der Kinder für Geräusche in ihrer Umgebung zu schulen und dabei auch das Wissen zu vermitteln, dass Sprache etwas ist, worauf man hören und lauschen muss.

 

In der zweiten Trainingswoche werden Reime eingeführt. Die Kinder sollen nun Parallelen in der Lautstruktur als sprachliches Prinzip entdecken und anwenden.

 

Etwa ab Beginn der 3. Trainingswoche werden die Kinder mit den Konzepten Satz und Wort vertraut gemacht, und sie lernen, dass gesprochene Sätze sich in kleinere Einheiten (Wörter) zerlegen lassen. Hier werden erstmals die Prinzipien Analyse (Zerlegen eines Satzes in Wörter) und Synthese (Verbinden einzelner Wörter zu einem Satz) besonders geübt. So bekommen die Kinder etwa die Aufgabe, in vorgesprochenen Sätzen (anfangs Zwei-Wort-Sätze, später längere Einheiten) jedes einzelne Wort durch Hüpfen oder Klatschen zu markieren. Unter Verwendung von Bauklötzen als Markierungen werden auch zusammengesetzte Wörter zerlegt (z. B. Schneemann) oder einzelne Wörter zu einem neuen Wort verbunden (z. B. Haus-Tür).

 

Die vierte Trainingseinheit, die sich mit Silben befasst, beginnt in der 6. Trainingswoche. Die Kinder lernen, durch Klatschen und rhythmisches Sprechen die akustische Einheit von Silben wahrzunehmen. In anderen Spielen sollen die Kinder durch Bewegungen die Silbengrenze deutlich machen. In dieser Einheit dürfen sich die Kinder auch Wörter mit möglichst vielen Silben ausdenken oder aus Bildern auswählen.

 

Die fünfte Übungseinheit setzt in der 9. Woche ein und widmet sich der Identifikation von Anlauten in Wörtern.

 

Ab der 12. Woche setzt die Arbeit mit Phonemen ein; die Kinder üben sich auf Laute innerhalb des Wortes zu konzentrieren und die Lautgrenze akustisch wahrzunehmen.

 

Jede der sechs Trainingseinheiten beinhaltet sieben bis fünfzehn verschiedene Sprachspiele, wobei im Programmablauf besonderer Wert darauf gelegt wird, Spiele, die aufmerksames Zuhören verlangen, mit Bewegungsspielen abzuwechseln.

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